Um die brennende Sehnsucht ging es in der letzten Predigt aus der Reihe ‚Glaubenserfahrungen im Alltag’, die iam 26. Oktober 2008 in der Pfarrkirche Herz-Jesu in Rosenberg angeboten wurde. Der Psychologe und Psychotherapeut Sebastian Sonntag aus Amberg berichtete von seiner Motivation und der Unterstützung, die er durch seinen Glauben erhalte.
Bereits als Kind habe er den Wunsch verspürt, sich um Menschen, um ihre Seelen zu kümmern und ihnen Mut zu machen. In die ‚Seelsorge’ sei er dann aus einer weltlichen Sicht heraus eingestiegen. Menschen in besonderen Lebenssituationen, meist mit krisenhaften und schweren Schicksalen, begleiteten ihn nun in fast 30 Jahren Psychotherapie. Psychologie und Theologie schliessen sich nicht aus, vielmehr benötigten auch Priester das weltliche Handwerkszeug der Psychologie im Umgang mit den Nöten der Menschen.

Die Emmausgeschichte, nach der der auferstandene Jesus seine Jünger ein Stück des Weges begleitet, ohne von ihnen erkannt zu werden, stellte er in den Mittelpunkt seiner Predigt.
Die Emmausjünger erlebe er so wie viele seiner Patienten, die in einer Lebenskrise steckten. Das, worauf sie gehofft hätten, sei mit einem Schlag zu Ende. Jesus, auf den man alles gesetzt habe, ist tot. Das Unglaubliche jedoch sei, dass sie von dem auferstandenen Jesus begleitet worden seien, ohne ihn zu erkennen. Erst, als sie das Zeichen des Brotbrechens wiedererkennen, dämmert es, wer sie da begleitet habe. Und erst hier erkennen sie: „Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete….?“ (Lukas 24).
An diesem Ausruf orientiere sich sein therapeutisches Handeln, die Trauer über den Verlust von geliebten Menschen und die Aufarbeitung von erfahrenem Leid. Der Ausruf lässt eine unbändige Sehnsucht verspüren, eine innere Ahnung von dem, was wir Menschen uns zutiefst wünschen, ersehnen und hoffen. Viele Menschen erfahren immer wieder ihre Unvollkommenheit und Bedürftigkeit, immer wieder Leid und Trauer, und bekommen plötzlich doch wieder eine Ahnung davon, wie es auch ganz anders, gut und heil, sein könne.
Durch den Besuch beim Psychotherapeuten erwarteten sich die geplagten Menschen in erster Linie Befreiung von den belastenden Störungen und Leiden. Zugrunde liege jedoch die Sehnsucht, nicht nur von diesen Schmerzen, dem Leid und den Symptomen befreit zu werden, sondern wirklich tiefe Heilung zu finden im Sinne des Heilwerdens. Symptome und Krankheit könnten wiederkommen, eine unterschwellige Angst bleibe immer. Die Sehnsucht nach dieser Art von Heilung richte sich nach einer letzten Sicherheit, mit der Frage nach einem letzten Sinn, nach Halt, Vertrauen und Endgültigkeit.



 




Anhand mehrerer Beispiele aus der therapeutischen Praxis verdeutlichte Sebastian Sonntag seine Worte. Ob nun das gestiegene Selbstvertrauen junger Menschen durch das Finden einer ersten Liebe, die Versöhnung ehemals verfeindeter Familien oder die plötzliche Hilfsbedürftigkeit des bis dahin dominierenden Ehepartners – alles Situationen, in denen etwas aufblitzen könne von diesem Leid, von der Vision einer besseren Welt.

Weiter stellte der Referent die Frage nach dem Sinn einer Welt, in der man sich nie sicher sein könne vor Leid, Schicksalsschlägen, Ungerechtigkeit und Gewalt. Wo liege hier die Sicherheit und innere Heimat? Zurückschauend auf seine berufliche Praxis, in der kein Fall dem anderen gleicht, kristallisiere sich eine gemeinsame Linie heraus, nämlich die allen Menschen innewohnenden Sehnsüchte und Bedürfnisse.
Letztlich verspüre jeder Mensch den innigen Wunsch, das Gefühl, ein geliebter Mensch zu sein, immer wieder vermittelt zu bekommen. Den Eltern obliege hier die besondere Aufgabe, dieser Ursehnsucht ihrer Kinder wiederkehrend und aus innerer Überzeugung heraus nachzukommen. Erfolgreiche Karrieren, gesellschaftliche Anerkennung oder materieller Wohlstand könnten diese Sehnsucht kaum stillen, wenn die Wurzeln nicht in der Kindheit gelegt würden.

Pfarrer Saju Thomas und der Sprecher des Pfarrgemeinderates, Richard Beer, bedankten sich bei dem Redner für seine ehrliche und aufmunternde Predigt. Mit den Laienpredigten wolle man auch in Zukunft Laien ermutigen, Glaubenszeugnisse abzugeben und so für das gelebte Christentum im Alltag zu sensiblisieren.




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