Religionen im Dialog - Einheit in Verschiedenheit

Am Sonntag, 21. März 2010 hatte die Pfarrei auf Initiative des Pfarrgemeinderates eine Veranstaltung zum interreligiösen Dialog organisiert. Pfarrer Saju Thomas begrüßte die zahlreichen Gäste im voll besetzten Kettelerhaus. Sein besonderer Gruß galt neben den Referenten des Abends dem 1. Bürgermeister Gerd Geismann, 2. Bürgermeister Günther Koller, allen Mitbrüdern im priesterlichen Dienst, der Katholischen Erwachsenenbildung, allen Gremien und Verbänden der Pfarrei sowie allen anwesenden Gästen. In seiner Einstimmung auf den Abend ging Pfarrer Saju kurz auf das Ziel des Abends ein, den Dialog unter den Religionen. Dabei geht es nicht um eine Vermischung oder Gleichmachung, sonder ganz im Sinne des zweiten Vatikanischen Konzils um respekt- und verständnisvolles Anerkennen der anderen Religion, ohne die eigenen Wurzeln und den eigenen Glauben zu vergessen. In diesem Sinne wünschte er allen einen bereichernden Abend.

Bürgermeister Gerd Geismann betonte in seinem Grußwort die Wichtigkeit des Dialoges der Religionen für ein gutes und friedvolles Auskommen in der Gesellschaft. Die Stadt Sulzbach-Rosenberg kann hier auf eine reiche Geschichte des Dialoges zurückblicken. Er verwies auf die jahrhundertelange jüdisch-christliche Stadtgeschichte.

Den Auftakt der dreiteiligen Vortragsreihe bildete der Islam: Drei Geistliche, die Imame Hüseyin Özer, Mehmet Emin Celik und Muhammet Hayri Sahin trugen eindrucksvoll in arabischer Sprache den Gesang "Gott ist am Größten" vor. In seinen Ausführungen stellte Erhan Cinar, 2. Vorsitzender des DITIB Nordbayern (Landesverband für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit) aus Nürnberg, den Glauben der Muslime vor. Im Sinne des Dialoges ging es ihm nicht darum, die Glaubenspraxis aufzuzeigen, sondern die Glaubensinhalte. So stellte er die Glaubensoffenbarung des Engels Gabriel an den Propheten Mohammed vor: Den Glauben an Allah, an die Engel, an die Offenbarung (Schriften), die Propheten, den jüngsten Tag und an die Vorherbestimmung (Schicksal).



Referenten Die Referenten bei der offenen Diskussion von rechts: Dr. Alice Reininger, Pfarrer Saju Thomas, Erhan Cinar, Imam Hüseyin Özer, Imam Mehmet Emin Celik, Imam Muhammet Hayri Sahin, Rabbiner Elias Drey, Pfarrer Dr. Roland Gierth. Nicht im Bild: Dr. Alice Reininger, Richard Beer



Aus christlicher Sicht stellte Dr. Alice Reininger von der Universität für angewandte Kunst in Wien den Bezug zu den anderen Religionen her. Zunächst zog sie eine sehr nüchterne Bilanz des Dialoges der Religionen. Es geht um die Frage: Wo stehen wir eigentlich? So ist jede Religion in einem je eigenen sozio-kulturellen Umfeld gewachsen und beheimatet. Das reicht von demokratischen Staaten mit Religionsfreiheit bis hin zu Ländern, in denen die Religion der Staat ist. Schon lange verhindern Hass, Intoleranz und Vorurteile eine Einigung im Dialog, begründet mit der Aussage: Gott will es so. Blickt man auf die heutige Gesellschaft, so ist sie von Humanität geprägt und hat eine pluralistisch-multikulturelle Einstellung. Da stellt sich die Frage: Was will Gott eigentlich? Sind doch Glaubenspraxis und Glaubensleben so verschieden. Grundstein und kleinste Basis für alle ist Gott. Ihn durch unser Tun und Wirken zu loben ist die Aufgabe eines jeden Gläubigen. Wir hüten sein Vermächtnis, welches im Geiste gelesen wird und anschließend im Herzen gelebt wird. Ein letzter Sinn des Glaubens ist es also, Gott im Herzen zu haben.

Die Religion der Juden stellte Rabbiner Elias Drey aus München vor. Zum Auftakt trug er ein Friedensgebet in hebräischer Sprache vor. In seinen Ausführungen erinnerte er zunächst an seine Wurzeln, seine Kindheit und Jugend in Sulzbach-Rosenberg, an die er gerne zurück denkt.

Viele Übereinstimmungen zeigte er auf, die alle Religionen verbinden: Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Natur des Menschen die Nähe Gottes zu suchen.

Idee und Inhalt des Judentums seien Respekt, Toleranz und Nächstenliebe. Näher ausgeführt findet sich das in sieben Geboten, die auf Noah zurück gehen. Sinn der Gebote ist es, in ihrer Erfüllung Gott näher zu kommen. Abschließend zeigte er sich sehr dankbar für die Einladung, denn Ziel jedes Dialoges sei es, Vorurteile im Gespräch abzubauen, nur so kann Frieden gelingen.

Nach einer kurzen Pause und einem Imbiss, den der Pfarrgemeinderat vorbereitet hatte, begann eine offene Diskussion. Richard Beer, Sprecher des Pfarrgemeinderates Herz Jesu Rosenberg sammelte die Wortmeldungen und gab sie an die Referenten weiter. So wurden viele Fragen erläutert, die im Zusammenhang mit der Verständigung unter den Religionen von Bedeutung sind. In kurzen und informativen Statements gaben die Referenten Antworten auf diese Fragen.

Anschließend bedankte sich Richard Beer im Namen der Pfarrei bei allen Referenten, die den Zuhörern neue Horizonte im Dialog der Religionen erschließen konnten. Zusammen mit Pfarrer Saju Thomas überreichte er ein Geschenk. Sein Dank galt Bürgermeister Gerd Geismann für sein Engagement der Toleranz unter den Religionen, sowie Pfarrer Saju Thomas, der sich für das Wagnis des Dialoges mit anderen Religionen eingesetzt hat. Besonders dankte er allen Gästen, die der Einladung gefolgt und so zahlreich gekommen waren.
Beer ging in seiner Abschiedsrede auf die Wichtigkeit des gegenseitigen Austausches ein. So könnten Vorurteile abgebaut und Toleranz geübt werden. Es gehe dabei nicht darum, die Anhänger der jeweils anderen Religion zu missionieren, sondern Verständnis über die eigenen Standpunkte hinaus zu wecken. Extremistische Einstellungen seien in keiner der Religionen Kern des Glaubens. Nur durch ständigen Dialog könne jeder zum Frieden in dieser Weld beitragen.




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