Das pilgernde Gottesvolk, unterwegs zum wiederkommenden Herrn braucht Rastplätze:
Oasen, an denen schon die Vorfahren gerastet hatten. Wir haben den Gottesbrunnen unter uns restauriert und laden ein, an dieser Oase zu rasten.



 



Wenn Sie über fünfzehn Stufen hinauf gehen, die Türe der Kirche öffnen, umfängt Sie ein lichter, hoher, freundlicher und zur Sammlung einladender Raum. Das Auge sucht nach vorne und wird nach oben hin gebannt in den Altarraum. Es erscheint uns der Verborgene im Licht der hellen und hohen Fenster. Er erscheint uns als Mitte im Salvator. Unser Fürsprecher beim Vater versammelt uns zum Horchen auf sein Wort und zum Brotbrechen. In der Eucharistie schenkt die versammelte Gemeinde preisend und bittend die Anbetung dem Schöpfer und Vollender von allem was ist.



 



Diese Anbetung ist christologisch begründet und ausgerichtet. Die Anbetung ist wie das Echo auf das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus. Diese Anbetung ist preisend-bittende Feier christlicher Weitsicht und christlicher Weltdeutung. In der Anbetung wird die Gemeinde durch die heilige Speise mit Geist erfüllt. Die Gemeinde will verwandelt werden in das göttliche Milieu.

Hier ist der Ort, wo sich Gott im Verborgenen offenbart: durch den Menschen. Wer einen Menschen großzügig beschenkt, den beschenkt dabei der großzügige Gott.
Wenn Gott uns so dicht nahekommen will in seinem Haus, dann antwortet der Mensch:
„Schon beim Morgengrauen komme ich zu dir, Herr. Ich warte auf dein Wort.“ (Psalm 119). Wir bekennen, Gott ist in unserer Mitte; darum wanken wir nie. Gott hilft uns, wenn der Morgen anbricht. (Psalm 46).

Wir Menschen haben Sehnsucht nach Glück, nach Paradies, nach dem Land, in dem Milch und Honig fließen. Diese Sehnsucht macht uns Fenster auf in die Transzendenz, in sein Geheimnis und durch diese Fenster sehen wir hindurch in die Stadt unseres Gottes, in unser ewiges Zuhause.



 



Die Bilder der Apsis kommen unserem Wunsch entgegen, das innere Ahnen sehen zu dürfen. Sie sind unser Wegweiser, die uns von Kreuzung zu Kreuzung zum Ziel führen in die Anschauung Gottes. Die Anschauung unseres Gottes ist der Grund unserer Unsterblichkeit. Diese besteht in der Nähe Gottes (Irenäus von Lyon).

In diesem neugotischen Raumgefüge, das 1899 geschaffen wurde, haben wir die Einrichtung nach gotischen Vorgaben neu gestaltet. Vorbild war für uns der große fränkische Meister Tilman Riemenschneider (1460 - 1531). Seine ausdrucksstarken und beseelten Figuren waren für uns Orientierungshilfe bei der künstlerischen Neugestaltung. Weitere Vorbilder waren die spätgotischen Kirchen mit den Flügelaltären, die wie Bücher aufzuschlagen sind.

Das Thema des Ambo: Verkündigung des Herrn
Die Botschaft der Bilder in der Apsis beginnt am Ambo. Der Tisch des Wortes, der unser Glaubensvermächtnis birgt, sagt uns: „Bring das Opfer des Hinhorchens! Sei hellwach! Birg sein Wort wie ein Samenkorn in deinem Herzensacker!“ Denn Gott sagt jedem: „Ich bin dir JAHWEH: immer da für dich. Ich beginne jeden Morgen deine Geschichte! Ich tue durch dich
Unerhörtes! Denn zu dir kommt jeden Morgen mein Bote, wie einst Gabriel zu Maria! Sag Ja zu deinem Boten! Gehorche ihm und du bringst deinen Gott in diese Welt, wie Maria.“


Das Thema des rechten offenen Flügels: Anbetung Jesu durch die Magier
Die Botschaft sagt mir: Gott kommt unscheinbar als Kind in diese Welt. Im Kind rettet Gott die Welt. Habe Ehrfurcht vor dem Leben Gottes im Kind. Gib dem Kind Zukunft. Übergib deine Herzensweisheit dem Kind; es ist Gottes Weisheit (Gold). Beschenke die Kinder mit deinem Wegwissen (Weihrauch). Beschenke die Kinder mit der Deutung des Lebens. Das Leid ist nicht das Letzte; durch Leiden erlangen wir zur Reife (Myrrhe). Maria und Josef ermutigen alle Eltern: Schützt die Kinder vor dem Bösen (König Herodes). Es ist der Menschen größte Würde, auf langen Wegen Gott zu suchen, um ihn recht anzubeten.


Das Thema des linken offenen Flügels: Jesus rastet am Jakobsbrunnen
und begegnet der Frau aus Samaria, die Wasser holt. Gott selbst ist der Brunnenbauer; er war am Werk in Abraham, Isaak und Jakob. Er ist in Jesus am Werk und baut den Brunnen in Gottes unendliche Tiefe. Aus Jesus darf jeder Wasser schöpfen und wird selbst zum Brunnen, aus dem Mitmenschen neu Wasser schöpfen. Denn Gott läßt keinen verdursten (Joh. 7.37).
Seinen Jüngern, die aus der Stadt vom Brotkaufen kommen, eröffnet er: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden (Joh.4.34).


Der innere Weg führt mich hinauf ins Gesprenge
Dort in einsamer Höhe lebt Jesus sein „Ja-Vater-Dein-Wille-geschehe“. Er gibt sein Leben aushauchend hinüber in die Vaterhände.
Lukas berichtet (9,51): „Als sich die Tage seiner Hinaufnahme erfüllten, hielt er das Angesicht fest auf Jerusalem gerichtet.“ Sein letztes Ausatmen trägt ihn zum himmlischen Jerusalem. Zuvor hat er diese Stunden am Kreuz durchgehalten mit der Weisung: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel des Himmels ihre Nester, der Menschensohn aber hat nichts, wo er den Kopf hinlegen könnte“. So arm geworden, wurde er unser Reichtum. Er ist so ganz beim Vater und ganz bei uns.


In der Mitte des Altars der Salvator
Wir begegnen auf unserem inneren Weg Jesus, dem auferweckten Gekreuzigten, dem Salvator. Sein Herz schlägt seitdem für uns. Der Anführer des
neuen Weges kommt groß heraus. Er erscheint uns, die wir ihn suchen, wie Maria Magdalena. Er bedeutet uns: „Ich gehe euch voraus nach Galiläa.“ Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater. An Maria gewandt: „Du aber geh zu meinen Brüdern....„ (Joh. 20,17). Dieser Salvator spricht uns an: „Auf hinter mich, mir nach“. Und die Jünger sagen heute noch: „Brannte nicht unser Herz als er uns die Schriften erschloß...„ (Lk 24,32). Nach dieser Erfahrung beauftragte er uns: „Du aber geh weg. Künde das Königtum Gottes an.“ (Lk 9,60)


Der Weg führt mich rechts zu Elisabeth von der Wartburg (1207 - 1231)
Wie wird das Königtum sichtbar? Ihr Geheimnis: Wohlhabend wurde sie „wohltuend“: hinausgeworfen schenkte sie Heimat: in Armut bereicherte sie andere.


Links führt der Weg zu Wolfgang, unserem Bistumspatron (924 - 994)
Er war Lehrer im Glauben, Kanzler im Reich, Einsiedler im Wald, Missionar in Ungarn, Hirte von Regensburg und Organisator der Caritas.



 



Die geschlossenen Flügel
zeigen während der österlichen Bußzeit: links Jesus in der Ölbergangst. Durch den Kelch hindurch sieht er den, der ihn stark macht für den Leidensweg, auch wenn seine liebsten Jünger vor Trauer im Schlaf vergehen. Auf dem rechten Flügelbild geht Jesus seinen Weg hinauf nach Golgotha, zielstrebig, begleitet von Verbrechern: denn er wurde unter Verbrechern gezählt, gestützt von Simon und in der Umsicht der Mutter und des Lieblingsjüngers. Er zielt zielsicher die enge Tür an, durch die hindurchzugehen er mit aller Macht bemüht ist. Hinter der letzten Tür wartet sein Vater, um die Angekommenen zu Tisch zu bitten.



 



Die Vorlagen, d. h. die Originalbilder fertigte Hans Multscher (1400 - 1467) in Ulm für den Sterzinger Altar.

Die Spur führt nun zur Quelle des Heiles zum Volksaltar,
dem Mahltisch. Der Emmauschristus lädt uns ein zum Brotbrechen, nachdem er mit uns, den Traurigen, den Rückwärtsgewandten und den Hoffnungslosen gewandert ist und uns den Sinn der Schriften erschloss. Im gebrochenen Brot und im ausgegossenen Becher schenkt er sich uns und wir uns ihm. Untereinander bindet er uns zu Schwestern und Brüdern zusammen. Durch unsere fünf Tore der Sinne dürfen wir sein Geheimnis in uns aufnehmen und werden zu „Geheimnisträgern“.


Auf dem linken Seitenaltar finden wir Maria mit dem Kinde,
eine nachempfundene Arbeit Südtiroler Künstler der Altenmarkter Madonna (vor 1393). Nach diesem Elende, wenn das Auge uns bricht, zeigt sie uns Jesus, die gebenedeite Frucht ihres Leibes.



 



Auf dem rechten Seitenaltar
findet sieh ein Relief aus unserer alten Kirche: „Die heilige Familie“. Der verborgene Gott schützt in diesem Bild Ihre Familie und führt sie seine Wege.



 



 



Links an der Turmseite
begegnen wir den zwölf Jüngern, die der Gute Hirte als seine Zeugen in die Welt hinaussendet. In ihren Attributen sind ihre Namen auszumachen.


An den beiden ersten Säulen
finden wir Johannes den Täufer mit dem Lamm und Johannes den Evangelisten mit dem Kelch und der Schlange. Beide Figuren sind Erbstücke aus unserer früheren Heimatkirche St. Johannis, die von 1652 bis 1899 simultan genutzt wurde.
An der zweiten Säule rechts befindet sich der Märtyrer Johannes Nepomuk, der Patron der Brücken und der Verschwiegenheit.

Desweiteren begleiten unsere Wege St. Michael, der Seelenwäger. Die Vorlage stammt vom Epitaph Heinrichs II. zu Bamberg.

Die kleine Theresia von Lisieux läßt nach ihrem Tod Rosen vom Himmel regnen.

Bruder Konrad von Altötting bewacht unsere Pforte, damit Fremde unsere Freunde werden und damit die Tabernakeltür uns offen bleibt.

Die Trauernden lassen sich in der Pieta trösten von jenen, die den Herrn ins Grab legen und Weizenkorn in die Erde bringen.

Daneben findet sich das Buch mit den Namen derer, die im II. Weltkrieg ums Leben kamen.

Bonifatius mit der Axt, die an den Fall der Donar-Eiche erinnert, stützt unsere Kirche.

An der Orgelwand befinden sich Reliefs, großenteils sind sie den Wangen der Chorbänke zu Stendal nachempfunden. Von links nach rechts: die Erschaffung Adams und Evas; der Sündenfall; Abrahams Gehorsam; Bileam und sein Esel; der Keltertreter; Anna mit Maria; der gute Vater und sein Sohn; im Seesturm; die Sünderin im Haus des Pharisäers; der Gelähmte und seine Freunde und Barbara mit dem Turm.



 



Durch die Auffrischung entdeckten wir in den 14 Kreuzwegbildern das Besondere, dass Jesus immer als der „Verklärte“, der Verherrlichte in seiner Karriere nach unten sichtbar wird.




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