„Not und Tod kamen über die Gemeinde“, so schrieben die Schwestern, als 1947 in Rosenberg als Spätfolge des Krieges der Typhus ausbrach.
Nachdem die ersten Kriegswirren überwunden waren, normalisierte sich das Gemeindeleben wieder. So fand in diesem Jahr wieder eine Mission in der Gemeinde statt. Kooperator Alois Schindler gelang es, ein Ministrantenzeltlager In Neukirchen St. Christoph zu organisieren.
Am 6. 1.1947 fand die Wiedergründung des katholischen Arbeitervereines statt. Präses Alois Schindler und Vorstand Hans Donhauser sammelten unter dem Namen „Werkvolk“ 56 Mitglieder um sich.
In dieser Zeit reifte auch der Gedanke für ein Vereinshaus der katholischen Verbände, wofür ein Gelände in der Nähe des alten DJK-Platzes erworben wurde. Die Pfarrkirche erhielt ein neues Geläut.
Im Jahr 1949 wünschte Bischof Michael, “daß jede Pfarrei ein Wohnhaus baue, um die Not zu lindern“. Das „Caritas-Haus“ in der Jahnstraße wird daraufhin von der Gemeinde in vielen freiwilligen Arbeitsstunden erbaut. Wegen der vielen Sonn- und Feiertagsarbeit der Maxhütte wird jeden zweiten Sonntag in der Herz-Jesu Kirche eine Abendmesse gefeiert.

1951 wird der katholische Frauenbund wieder ins Leben gerufen. Zwei Jahre später kommt Pfarrer Alfred Salat in die Gemeinde. Ein Jahr darauf taucht wieder der ernsthafte Gedanke an ein eigenes Vereinshaus auf. Zu diesem Zweck wird ein Bauverein gegründet, für den das Werkvolk die Werbung übernimmt.
Ein besonderes Ereignis zieht die Menschen im September 1954 an. Pater Leppich, das „Maschinengewehr Gottes“, spricht zu über 4000 Zuhörern auf dem DJK-Sportplatz!
Der Bau des Vereinshauses wird nun endlich in Angriff genommen und macht langsam Fortschritte. Die Finanzierung bereitet der Pfarrei große Sorgen, ein Name ist aber bereits gefunden: Kettelerhaus. 1956 kann der erste Bauabschnitt vollendet werden. Bischof Hiltl weihte ihn am 7. 10. feierlich ein. Zwei Jahre später wird der zweite Bauabschnitt (Kindergarten und Schwesternwohnheim) begonnen.
1955 beginnt in Rosenberg die Debatte um die Ausweitung der Sonntagsarbeit, die 1960 schließlich auf ihrem Höhepunkt angelangt ist. Die Unternehmensleitung stellt 8000 Arbeitsplätze in Frage, wenn auf ihre Forderungen nicht eingegangen wird. Fritz Morgenschweis, damals Diözesanpräses des Werkvolkes und gebürtiger Rosenberger, kämpft zusammen mit der Pfarrgemeinde wie ein Löwe um den Erhalt des Sonntags. Mit der Drohung, Arbeitsplätze zu streichen, wird schließlich auch Bischof Michael überredet. Der „Schiedsspruch“ bringt die Sache für die Pfarrei zu einem unguten Ende.
Ab April 1961 dient der Kettelerhaussaal als Ersatzkirche, da die von Pfarrer Salat geplante und vertraglich festgemachte Kirchenrenovierung von Pfarrer Franz Bubenik begonnen wurde. 1964 heißt es erstmals: „Ein neuer Kaplan kommt!“: Lorenz Hägler schlägt sein Zelt in Rosenberg auf.
Das Zweite Vatikanische Konzil öffnet damals gerade die Fenster in der katholischen Kirche. Der frische Wind ist auch in Rosenberg zu spüren. Die Volkssprache hält Einzug in die Liturgie, deren Träger jetzt das versammelte Gottesvolk unter Leitung eines Priesters ist. Zum ersten Mal kann 1968 ein Pfarrgemeinderat gewählt werden.
1969 übernimmt Kaplan Lorenz Hägler als Pfarrer die Geschicke der Gemeinde. Noch im selben Jahr kann nach Kontakten mit dem evangelischen Pfarrer Wurm ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert werden. Als erster Rosenberger Pfarrer wird Lorenz Hägler 1976 Dekan. Anfang der 80er Jahre beginnt sich eine Krise in der Stahlbranche abzuzeichnen. Auch die Maxhütte ist betroffen. 1981 beteiligt sich die Pfarrei mit einer großen Anzahl von Gläubigen an einer Demonstration für den Erhalt der Arbeitsplätze. Zwei Jahre später organisiert die KAB Rosenberg im Kettelerhaus eine Podiumsdiskussion mit dem damaligen Staatsminister August Lang. Aber die Sorgen um die Arbeitsplätze werden dadurch nicht kleiner.
Als 1984 Planungen bekannt werden, den Rosenberger Friedhof zu schließen, kann dieses Vorhaben durch den Protest der Pfarrei, allen voran Pfarrer Lorenz Hägler, gestoppt werden. Für viele Menschen wäre ansonsten der selbstverständliche Besuch der Gräber vor oder nach dem Gottesdienst unmöglich geworden.
Im selben Jahr kommt Bischof Manfred nach Rosenberg und stattet dem Sorgenkind Maxhütte einen Besuch ab. Drei Jahre später sind die finanziellen Probleme nicht mehr zu meistern. Am Gründonnerstag 1987 muss die Maxhütte Konkurs anmelden. Die Pfarrei Herz-Jesu ist die ganze Zeit über am Ball, um die Sorgen der Menschen auch zu den ihrigen zu machen. Der letzte Tag in diesem Jahr sieht große Teile der Pfarrei vor dem Ofen 3 in der Maxhütte, wo ein Ökumenischer Gottesdienst die Sorgen der Betroffenen vor Gott trägt. Im Jahr 1990 musste leidvoll, aber vor allem dankbar, Abschied von den Niederbronner Schwestern genommen werden. Sie wurden nach 65-jähriger Tätigkeit in das Mutterhaus zurückberufen. Das Nachwuchsproblem ließ den Verantwortlichen keine andere Wahl. Im gleichen Jahr kommen die ersten Aussiedler in die neu entstandenen Wohnungen in der Johann-Flierl-Straße.
Das Jahr darauf bedeutete für den Kindergarten den Anbruch einer neuen Zeit. 1991 zieht er vom Kettelerhaus vorübergehend in das Untergeschoss des Hallenbades. Der Exodus war nötig, weil der Kindergarten von Grund auf umgebaut wurde.
Das Jahr 1993 bietet für die Gemeindemitglieder wieder die Möglichkeit, In einer Gemeindemission den Glauben zu vertiefen. In Gottesdiensten und Gesprächsrunden versuchen Redemptoristenpatres neue Impulse für das Pfarrleben zu geben.

Ein in der heutigen Zelt selten gewordenes Fest kann Pfarrer Lorenz Hägler 1994 feiern: Er ist seit 30 Jahren in Rosenberg Seelsorger! Sein evangelischer Amtsbruder Dr. Roland Gierth umschreibt den Sachverhalt folgendermaßen: „Zweimal lebenslänglich in Rosenberg“.
Die Kirchenrenovierung nimmt 1996 allmählich Formen an. Die Gemeindeglieder entscheiden sich in einer Abstimmung für einen gotischen Schnitzaltar aus der Werkstatt Insam in St. Ulrich/Südtirol. Im Herbst dieses Jahres kann auch der Umbau des Kettelerhauses vollendet werden. Der Saal dient 1997 während der Renovierung als Ausweichkirche.
Die großen Sorgen um den Priesternachwuchs in der Diözese Regensburg schlagen sich nun auch in Rosenberg nieder: Die Kaplanstelle ist gefährdet. Mit großer Dankbarkeit nimmt die Gemeinde die Nachricht auf, dass Vikar Varghese Puthenchira aus Indien nun in das „Kooperatorhaus“ in der Kettelerstraße einzieht.
Ein großes Ereignis in der Pfarrei ist am 16. 3. 1998 die Aufstellung des neuen Flügelaltares in der Kirche.
Im selben Jahr stirbt am 10. 7. der große Sohn und Wohltäter der Pfarrei, Fritz Morgenschweis. Er findet seine Ruhestätte in seiner geliebten Heimat Rosenberg.

Bischof Manfred Müller feiert zusammen mit seinen Amtsbrüdem und vielen Priestern und Ehrengästen aus dem öffentlichen Leben das Requiem.
1999 kann nun das 100-jährige Jubiläum der Rosenberger Kirche gefeiert werden.

(Text entnommen aus: Festschrift '100 Jahre Hez-Jesu-Kirche Sulzbach-Rosenberg')




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Die Pfarrei bis zum Kriegsende 1945